Gaggenau

Feurige Leidenschaft.

Die drei jungen Messerschmiede der Blenheim Forge haben alle
eine Passion für alte Handwerkskunst
und brennen darauf, diese wieder aufleben zu lassen.

Es ist Freitagmorgen. Wir nähern uns den von Schienen überbauten Gewölbekellern unterhalb Peckham Rye Station im Südosten Londons. Über unseren Köpfen das Rattern der Züge. Am Ende der Zeile wird zusätzlich ein Klirren und Hämmern hörbar – hier wird Stahl gehämmert, ganz klar. Das Geräusch kommt aus der Blenheim Forge – einer Schmiede, die in einem Winkel verborgen ist und deren handgeschmiedete Küchenmesser sich wachsender Beliebtheit bei Feinschmeckern erfreuen. Viele von ihnen sind Küchenchefs in den Restaurants dieser einstmals heruntergekommenen Gegend. Mittlerweile ist das Viertel ganz schön angesagt. In der Werkstatt dann Staub, Ruß und jede Menge Metall. Das Schmiedefeuer glüht. Ein junger Mann mit Bart in derber Arbeitsschürze und Handschuhen schürt das Feuer. Eine gleichsam „sagenhafte“ Szene: Der griechische Gott Prometheus stiehlt Feuer vom Olymp für uns Normalsterbliche das Feuer. Aber die Blenheim Schmiede ist ganz und gar im Jetzt verwurzelt. Sie verkörpert das Beste, was das moderne Großbritannien der Gegenwart zu bieten hat: junge Leute, die ihr gerade Kunst- oder Designstudium abgeschlossen haben, sich für alte Handwerkskunst begeistern und fest entschlossen sind, diese wieder aufleben zu lassen.

„Wer ein perfektes Messer herstellen möchte, muss sich ganz schön ins Zeug legen“, sagt Jon Warshawsky. Jon und seine Freunde James Ross-Harris und Richard Warner bilden das Blenheim-Team. Die drei jungen Messerschmiede haben sich am renommierten Goldsmiths’ College in Süd-London kennengelernt. Nach ein paar Jahren des Experimentierens und – in Richards Fall – des Reisens zogen sie vor drei Jahren ihr Unternehmen auf und stellen jetzt zwei Arten von Messern her: mustergeschweißte (das Material ist unter dem Namen Damaszener Stahl bekannt) und dreilagige. Für Damaszener-Messer werden zwei Stahlsorten zu einem mehrlagigen Strang verschmolzen; der Prozess wird viele Male wiederholt“, erklärt Warshawsky. „Für die dreilagigen Klingen verwenden wir einlagigen Blaupapier-Stahl von Hitachi.“ Letzterer – aus Japan importiert und in Deutschland erworben – gilt unter Messermachern hochwertiger als andere Stahlsorten. „Er hat eine sehr feinkörnige Struktur und entbehrt jeder Unreinheit.“ Außerdem ist er teuer. „Ein Blech von 1 auf 25 Zoll kostet 25 Euro. Aber das ist schon ein Riesenunterschied.”

Blaupapier-Stahl, erfahren wir, ist schwieriger zu bearbeiten, bildet jedoch eine schönere Schneidkante und ist leichter zu schärfen. Jetzt gerade stellt das Team ein Damaszener-Messer her: zwei Stahlsorten – die eine härter, die andere robuster – werden übereinander gelegt und im glühenden Schmiedefeuer zusammengeschweißt. Gefeuert wird, bei einer unglaublichen Temperatur von über 1.000°C, mit einer Mischung aus Koks und Holzkohle, um sicherzustellen, dass der Stahl möglichst nicht oxidiert. Der Strang wird dann in kleinere Stücke geschnitten, die übereinander gelegt und nochmals verschweißt werden. „Die Form der Klinge entsteht dadurch, dass man sie auf einem eisernen Amboss aushämmert und ihr mit einem Winkelschleifer ein feineres Profil gibt, bis es für eine Schneidkante dünn genug ist“, erklärt Warshawsky. Das Härten des Messers erfolgt bei einer niedrigeren Temperatur, etwa 750°C, wonach das Metall schnell heruntergekühlt wird, indem man es in Öl taucht. Die Hämmer- und Schleifprozedur wird viele Male wiederholt. Verarbeitet wird die Klinge auf einem rotierenden Stein, den man durch kontinuierliches Besprühen mit Wasser nass hält. Der nächste Arbeitsschritt kommt die Bandschleifmaschine – mit immer feiner gekörntem Sandpapier – zum Einsatz. Anschließend wird die Verlängerung der Klinge – namens Angel oder Erl – in ein massives Stück Holz eingebracht, das zuvor zu einem glatten Griff geformt wurde. Schließlich wird die Klinge auf feinkörnigen japanischen Wassersteinen geschärft.

„Die Qualität des Stahls, die Klinge, die Waage und der Griff – da muss alles stimmen“, kommentiert Warshawsky. Die vier wichtigsten Küchenmesser, fügt er hinzu, seien ein Kochmesser zum allgemeinen Zerkleinern, ein kleines Gemüsemesser für kleinteilige Schneid- und Schälarbeiten, ein Tranchiermesser und ein Brotmesser. Und Schärfe allein genügt nicht. „Die Klinge muss genau die richtige Größe für die jeweilige Tätigkeit haben.”

Die Blenheim Forge verkörpert das Beste, was das moderne Großbritannien der Gegenwart zu bieten hat: junge Leute, die gerade ihr Kunst- oder Designstudium abgeschlossen haben, sich für alte Handwerkskunst begeistern und fest entschlossen sind, diese wieder aufleben zu lassen.

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Pflege der Messer. Der Rat: Messer sofort nach dem Gebrauch abtrocknen. „Wenn man sie nass liegen lässt, rosten sie. Trotz all dieser Vorsichtsmaßnahmen bildet sich mit der Zeit eine Patina. Das ist gut so; es schützt das Messer vor weiterem Rost.“ Welche Pflegetipps für Blenheim-Messer gibt es sonst noch? „Tun Sie sie nie in die Spülmaschine. Ölen Sie sie gelegentlich ein. Schärfen Sie sie einmal im Monat. Sie brauchen mehr Pflege als Standardmesser, aber sie werden Ihnen auch ein Leben lang erhalten bleiben.“

„Wir arbeiten lieber langsam und sorgfältig und verzichten absichtlich darauf, auch nur einen Teil des Ablaufs zu automatisieren“, heißt es auf der Website der Blenheim Forge. Je nach Klinge nimmt die Herstellung mancher Blenheim-Küchenmesser mehr als 40 Arbeitsstunden in Anspruch. Das teuerste Messer zum Schneiden von Fleisch, Fisch und Gemüse wird aus über 300 Lagen reinem Nickel und Eisen geschmiedet und hat einen Blaupapier-Stahlkern. Es kostet deftige 550 Euro. Doch es fällt nicht schwer zu verstehen, warum so viele Kunden Sammlungen von Blenheim-Messern anlegen und wieder und wieder in die Werkstatt kommen. Handgemachte Gegenstände haben eine Würde, einen Reichtum, den von Maschinen hergestellte Produkte einfach nicht haben. „Eher ein Formel-Eins-Wagen als ein LKW“, so Warshawsky lächelnd. „Deshalb bestehen wir darauf, in unserer Werkstatt den gesamten Herstellungsprozess abzudecken. Und dürfen ungestraft behaupten, dass das Produkt unserer Arbeit von Beginn an in unserer Hand liegt.“ Unsere Messer sind hundert Prozent Peckhamer Handarbeit.“

Text: Josephine Grever

Fotos: Fred MacGregor

www.blenheimforge.co.uk

„Wir bestehen darauf, in unserer Werkstatt den gesamten Herstellungsprozess abzudecken. Und dürfen ungestraft behaupten, dass das Produkt unserer Arbeit von Beginn an in unserer Hand liegt.“

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