Gaggenau
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Häuser mit
Geheimnissen.

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Am Lago Maggiore versuchen drei Schweizer Architekten, der grandiosen Landschaft etwas zurückzugeben. Sie lassen Häuser aus der Topografie herauswachsen und pflegen feinen Umgang mit Naturstein, diversen Holzarten und rauem Beton.

Markus Wespi stammt aus Rorschach am Bodensee, arbeitet seit 1980 als Architekt, davon 15 Jahre in Zürich. Seit 1998 sind er und Jérôme de Meuron aus der Gegend um Bern ein Team. 2002 gründeten sie in Caviano am Lago Maggiore ihre gemeinsame Firma. Der Dritte, Luca Romeo, der einzige Tessiner, stieß 2012 als Partner dazu.

Für Aufträge im Ausland kooperieren sie mit Kollegen vor Ort – wie demnächst bei Berlin, in Madrid, in Kroatien. Vor allem aber sind sie Experten für Hangvillen im Tessin wie in Brione (Foto links) oder Sant’Abbondio. Was ist da das Wichtigste? „Materialstruktur, Lichtwirkung, Wegführung im Haus, Atmosphäre“, sagt Markus Wespi. „Und wir lieben es, wenn Geheimnisse bleiben“, ergänzt de Meuron. „Dass bei einem Haus von außen nicht schon alles klar ist, sondern sich drinnen Überraschungen ereignen.“

Das Haus in Brissago, am Westufer, liegt hoch. Vier Stockwerke, Aufzug, eine freundliche Festung, Blicke nach links und rechts über den halben See (Foto). Das paradiesische Burgpanorama lässt sich von einem Patio mit Kies, Wassertrog und Olivenbäumen durch Holztore zu zwei Seiten öffnen oder schließen. Toll: die nahtlose Stahlküche und der Waschbeton für manche Zimmerwände. Das traut sich sonst niemand. Das Material ist verpönt seit den Siebzigern. „Da war ich im Büro selbst der am wenigsten Mutige – wohl eine Altersfrage“, lacht Wespi.

Wespi de Meuron Romeo lassen Häuser aus der südalpinen Topografie der Tessiner Seenlandschaft herauswachsen. „Mit unterschiedlichen Gegebenheiten umzugehen, das reizt uns. Viele machen einfach eine Ebene, und da stellen sie ein Haus mit viel Glas drauf. Das ist langweilig“, ereifert sich Markus Wespi.

Die Orte an der Grenze zu Italien sind Lieblingsorte für Bauherren, die einen milden südlichen Unterschlupf suchen. Oleander, Olivenbäume, Lavendel, Palmen, Kakteen, Agaven gedeihen hier ganzjährig draußen. Am Ostufer gibt es weniger Sonne als drüben bei Locarno oder Brissago, vor allem im Winter. Man muss also sehr gut berechnen, wie und wo genau das Haus aus dem Hang ragt. „Wir arbeiten stets mit Höhenkurvenplan.“ Außerdem ist da der sehr feine Umgang mit Steinsorten und Holzarten, mit Härte- und Glättegraden, mit unterschiedlich rauen Oberflächen, mit Betonmischungen und Putztönen zwischen Creme, Beige, Grau und Braun. Wichtig sind ihnen natürliche Materialien, die schön altern. „Keine Kunststoffe“, sagt Markus Wespi. „Wir machen kein Projekt, ohne im Voraus ans Material zu denken“, mischt sich Luca Romeo ein.

Sie bemühen sich manchmal um besondere Zurückhaltung ihrer Architektur. Ziel ist dann, „der Landschaft etwas zurückzugeben“ (Wespi). Etwa in Brione vor einigen Jahren. Klassische Ferienhausgegend. Die Höhenlandschaft über Locarno ist eigentlich komplett zugebaut. Da wollten die Architekten kein weiteres Volumen anfügen. Sie höhlten lieber aus. 95 Quadratmeter Wohnfläche, zwei Etagen, Garten, Terrassen und Pool brachten sie in Türmen und Mauern unter. Wespi gefällt die Idee, dass ihre Häuser übersehen werden können.

Aber bloß keine Dogmen! „In anderen Fällen kann ein Turm, den man von überallher sieht, als willkommener Kontrapunkt das Richtige sein“, sagt Wespi.

Pendeln von Baustelle zu Baustelle die Serpentinen hoch und runter – das wird auch die nächste Zeit schöner Alltag in diesem Architekturbüro sein.

Text: Alexander Hosch

Wespi de Meuron Romeo

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