Gaggenau

Neue Kunst
für den Boden.

Ob stylishes Apartment oder minimalistische Villa: Aufwendig gestaltete Teppiche mit vielfältigen Motiven sind wieder en vogue. Entworfen werden sie am Computer. Er rechnet den traditionellen Knüpfern in Asien aus, welcher Knoten wo gesetzt werden muss.

Zuerst kam die Farbe an die Wände zurück, jetzt sind die Böden dran. Vorbei die Zeit, da blanke Dielen oder gar kalte Fliesen Wohnräume ungemütlich machten. Teppiche sind wieder da.

Lange Zeit verbanden moderne Inneneinrichter und ihre Kunden den Begriff „Teppich“ vor allem mit den spießigen Persern der Großeltern oder praktischer Auslegware. Erst jetzt wird das Image des Teppichs gründlich ausgeklopft. Die Kundschaft zieht mit und erkennt die wahren Qualitäten guter Teppiche: ein tolles Raumgefühl, schallschluckende Wirkung, die Akzentuierung auch größerer Zimmer, die wunderbare Haptik, das edle Material.

Die neuen Teppiche greifen die grafische Ästhetik farbiger Kelims und Berberteppiche auf und denken sie weiter. Der Reiz der neuen Teppiche liegt in der Verbindung von traditioneller Fertigung mit einer schier unendlichen Fülle an Formen und Designs, die digital erstellt werden können und die Pixel auf die Knoten umrechnen und übertragen.

Gestalter und Produzenten wie Jan Kath, Alexandra Kehayoglou und Luke Irwin haben damit das klassische Teppichdesign revolutioniert. Die Dessins orientieren sich an den Sechzigerjahren wie bei Patricia Urquiolas Op-Art-Mustern für Ruckstuhl oder an Afrika wie die Studio-Job-Entwürfe für Moooi; sie sind osmanisch inspiriert (Hussein Chalayan) oder wirken wie riesige Skizzenblätter (Carsten Fock für e15). Auch die Ideenfülle der Firmen Walter Knoll, The Rug Company, Golran, Edelgrund, Nanimarquina, Hay und Danskina zeigt: Heute kann niemand mehr sagen, Teppiche seien langweilig.

Jan Kaths Designs spielen mit traditionellen Mustern …

Suzanne und Christopher Sharp von The Rug Company waren Sammler, bevor sie ihr Teppichunternehmen gründeten. Vier Jahre in Riad und unzählige Streifzüge durch die Suks der Stadt machten sie zu Experten. „Erst sucht man Teppiche nach Gefallen aus, irgendwann entdeckt man die Geschichten und Traditionen dahinter, die verschiedenen Knoten, die unterschiedlichen Materialien. Teppiche machen süchtig, wenn man einmal anfängt, sich für sie zu interessieren“, so Christopher Sharp.

Nach London zurückgekehrt, handelten sie mit alten Teppichen und stießen auf eine Marktlücke: „Die Menschen wollten nicht das Gleiche wie ihre Großeltern, sondern etwas anderes, Moderneres, wussten aber noch nicht genau, was“, so Suzanne Sharp. Sie begann, eigene Designs zu entwickeln, geometrische Muster in kräftigen Farben, in Nepal fand das Paar einen Teppichknüpfer, dessen Arbeit den hohen Ansprüchen der Sharps gerecht wurde. „Das ist wie mit Olivenöl: Der Prozess, die Art der Verarbeitung, macht die Qualität des Produkts“, weiß Suzanne Sharp. „Qualität und Nachhaltigkeit sind der neue Luxus“, sagt ihr Mann Christopher.

… während The Rug Company zeitgenössische Künstler und Designer wie Consuelo Castiglioni um Entwürfe bittet.

Inzwischen betreibt The Rug Company weltweit 25 Shops und arbeitet mit Designern wie Vivienne Westwood, Tom Dixon, Jonathan Adler oder Paul Smith zusammen.

Jan Kath aus Bochum remixt den Orientteppich, indem er mit Vertrautem spielt, die Muster digital verfremdet, Farben ausbleicht, Materialien künstlich zerschleißt. Zuletzt zeigte er die Kollektion „Spacecrafted“ – geknüpfte Farbexplosionen, wie ein Blick durchs Hubble-Teleskop in ferne Galaxien.

Nanimarquina denkt auch in neuen Formen.

Der Sohn eines Teppichhändlers aus dem Ruhrgebiet fand über einen Umweg zurück zum Beruf seiner Eltern: Beim Backpacken ging ihm in Kathmandu das Geld aus. Er jobbte als Qualitätsprüfer in einer Knüpferei. Als ihm der Inhaber die Manufaktur zum Kauf anbietet, schlägt er zu und beginnt mit seinen eigenen Designs. Inzwischen gilt der 42-Jährige als Pionier des neuen Teppichtrends, beliefert Kunden wie Bill Clinton, und selbst einige Scheichs aus den Emiraten lassen sich lieber Entwürfe von Jan Kath als die traditionellen Orientteppiche in die Yacht legen.

Viele der Designerteppichfirmen lassen in Nepal fertigen. Die Erdbeben im April und Mai haben die Familien der Weber und Knüpfer in den Dörfern im Kathmandutal schwer getroffen, Jan Kath, Luke Irwin und die Sharps unterstützen sie mit Hilfspaketen, Sonderverkäufen und Geld.

„Military Brocade Roomset“ von Alexander McQueen für The Rug Company.

Tausende Kilometer weiter in einem Vorort von Buenos Aires arbeitet Alexandra Kehayoglou in einem Atelier, das an El Espartano, die Fabrik ihrer Eltern, angeschlossen ist, an kunstvollen Teppichlandschaften. Eine davon, ein aus vielen kleinen grünen Wollinseln zusammengesetzter breiter Läufer, der mehr an eine Mooslandschaft als einen Teppich denken lässt, nutzte der belgische Modedesigner Dries van Noten bei seiner Prêt-à-porter-Schau in Paris im September 2014 als Bühne für seine Sommerkollektion. Am Ende der Schau lümmelten die Models einer Schar Elfen gleich auf dem flauschig-hügeligen Kunstwerk. Seitdem kann sich die 33-Jährige vor Aufträgen kaum retten. „Für viele Leute ist es schwer vorstellbar, dass ein Teppich Kunst sein kann“, sagte Kehayoglou in einem Interview mit der New York Times. „Aber vielleicht ändert sich das.“

Text: Marie-Sophie Müller

www.jan-kath.com

www.therugcompany.com

www.alexkeha.com

www.nanimarquina.com

Die Teppichwiese ist ein Einzelstück von Alexandra Kehayoglou.

Mehr Inhalte: Design & Kultur

  • Der Gärtner
    des Universums.

    Mehr
  • Der Weg ist das Ziel.

    Mehr
  • Eine Bühne für die neue nordische Küche.

    Mehr
  • Poesie für die Wände.

    Mehr
  • Feurige Leidenschaft.

    Mehr
  • Kunst – von Hand gemacht.

    Mehr
  • Neue Kunst
    für den Boden.

    Mehr
  • Licht ist
    Lebensqualität.

    Mehr
  • Ein Designer
    mit Aura.

    Mehr
  • Die mit
    dem Licht spielen.

    Mehr
  • Wenn Design
    zur Magie wird.

    Mehr
  • Anything
    glows.

    Mehr
zurück 1 12 vor