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Die mit
dem Licht spielen.

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Mit raffinierten Leuchten aus recyceltem Material macht das amerikanisch-holländische Designbüro Graypants Furore. Simple, aber konsequente Ideen, ein großartiges Gespür für die Wirkung von Licht, Nachhaltigkeit und soziales Engagement zeichnen die jungen Designer aus.

Wie unzählige leuchtende Sonnen hängen sie an der Decke und verströmen sanftes Licht, stimmungsvoll und warm – wie flüssiger Honig. Egal, ob Restaurant, Wohnzimmer oder Verhandlungsraum – die Scraplight-Pendelleuchten machen sich an vielen Decken gut. Auch an denen von Umweltschutzorganisationen oder umweltbewussten Designfreunden. Denn diese Leuchten sind aus recyceltem Karton gemacht, der feuerhemmend behandelt und dann mit giftfreiem Klebestoff zusammengefügt wurde. Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Umgang mit Materialien werden bei Graypants ganz groß geschrieben.

Produziert werden die Lampen im Süden der Niederlande im Rahmen eines Sozialprojekts für, wie es heißt, “Menschen mit großem Abstand zum Arbeitsmarkt”, sprich: von Langzeitarbeitslosen und körperlich oder geistig Behinderten. 30 von ihnen haben sich inzwischen ganz auf die Scraplight-Leuchten spezialisiert: Sie schneiden die Lampenteile per Laser aus Kartonteilen heraus und kleben sie dann von Hand zusammen. Dadurch ist jede Lampe individuell und unverwechselbar. “Morgens um Punkt acht Uhr geht es los”, weiß Graypants-Manager Wouter Smit. “Wir können uns 100-prozentig auf unsere Mitarbeiter verlassen!”

Denn die Lampenmacher sind stolz auf ihr Produkt. Sie halten die fertigen Leuchten am Ende in den Händen, wissen, dass diese in alle Welt gehen: in ein Hotel nach Amsterdam, aber genausogut nach Neuseeland oder Australien, und manchmal sehen sie sie auch im Fernsehen. Ihr Stolz ist so groß, dass sie ihre Lampen sogar signieren und ganz oben mit ihrem Namen versehen. Über soziale Medien wie Facebook bekommen sie immer wieder Reaktionen von den Käufern. So wie neulich: “Danke für die schöne Lampe, Mariska!”, schrieb ein Käufer.

Das Architektur- und Designbüro Graypants wurde 2008 in Seattle gegründet, seit 2012 hat es auch in Amsterdam eine Dependance. In Seattle arbeiten acht Designer, dort entstehen die Ideen. In Amsterdam werden sie von einem fünfköpfigen Designerteam umgesetzt. Für den Namen hat die alte graue Hose der beiden Gründer Jonathan Junker (32) und Seth Grizzle (33) gesorgt: Als sie sich auf dem College erstmals trafen, hatten beide haargenau die gleiche Hose an. Und in der pflegten sie zum Entsetzen vieler Freunde auch in den Jahren danach immer wieder bei offiziellen Anlässen zu erscheinen. “Als wir nach einem Namen für unser Büro suchten, dachten wir an die berüchtigte alte graue Hose”, lacht Wouter. So wurde es eben Graypants.

Von Haus aus sind Jonathan und Seth eigentlich Architekten, doch das fanden sie schon zu Studentenzeiten nicht kreativ genug und deshalb unbefriedigend. Aus weggeworfenen Materialien, die sie auf der Straße fanden, entstand in den Abendstunden ein Stuhl – mal aus Holz, mal aus alten Zeitungen, mal aus Pappkarton. Als sie verschiedene Varianten des Stuhls auf einer Ausstellung erstmals zeigen durften, wirkten diese in der großen Halle etwas verloren, deshalb beschlossen sie, eine Lampe darüberzuhängen. Eine aus Karton. Die stellte den Stuhl prompt vollkommen in den Schatten. “Alle interessierten sich für die Lampe, keiner für den Stuhl.” So wurde die Scraplight-Pendelleuchte zum Markenzeichen von Graypants.

Die Scraplight-Lampen sind inzwischen in vielen Variationen erhältlich, nicht nur rund, auch zylinder- oder ellipsenförmig. Daneben gibt es neue Serien wie die bunten Kerflights-Lampen, mit ausgefallenen gestreiften Licht-Schattenspielen. Neu ist die Steplight-Serie: Lampen, die nicht aus Karton bestehen, sondern aus Aluminiumringen, ebenfalls zum größten Teil recycelt. Als erster Teil einer Möbelserie ist der “slice chair” (Foto) auf den Markt gekommen. Aus eineinhalb mal zweieinhalb Meter großen Multiplex-Holzplatten entstehen bis zu vier Stühle, “übrig bleiben eigentlich nur Späne”, so Wouter Smit.

Groß geworden ist Graypants mit Auftragsarbeiten für große Firmen: Für Starbucks haben sie eine Lampe mit den Elementen eines Kaffeebechers entworfen, die nun 250 Filialen in Nordamerika schmückt, für Amazon in Seattle ein ganzes Büro eingerichtet und für das Hauptquartier von Airbnb in San Francisco von Hand 25.000 Pingpong-Bälle zu einer Lampe zusammenkleben lassen, die den bezeichnenden Namen “The Cloud” trägt.

Ihr Architekturdebüt hatten die Graypants-Designer 2013 mit dem “Garage-Project”, das ihnen gleich mehrere Architekturpreise einbrachte. Für einen privaten Auftraggeber wurde eine gut alte Garage aus den Nachkriegsjahren zu einem multifunktionellen lichtdurchfluteten Mini-Landsitz umfunktioniert, prächtig gelegen am Puget Sound, einem Meeresarm bei Seattle. Anstatt das alte Gebäude einfach abzureißen, wurde die tragende Struktur erhalten und, ebenso simpel wie brillant, ein Glaskasten hineingesetzt. Der eignet sich gleichermaßen zum Feiern, Meditieren, Arbeiten oder Ausruhen. Innen und Außen scheinen zu verschmelzen.

Die Betten und der neue Boden wurden aus den Holzbrettern der Verschalung gezimmert, auch die Waschbecken wurden gesäubert und wiederverwendet. Und die LED-Beleuchtung bildet einen reizvollen Kontrast zum alten Holzofen, der selbstverständlich ebenfalls stehen geblieben ist. “Auf dem wird auch gekocht!”, weiß Wouter Smit stolz zu berichten. “Und wissen Sie was? Er funktioniert immer noch tadellos!”

Text: Kerstin Schweighöfer

Graypants

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