Gaggenau

Kunst –
von Hand gemacht.

Eine neue Generation von Kunsthandwerkern stellt zeitgemäße Produkte her und macht die lange Zeit wenig beachtete Handwerkskunst wieder salonfähig. Damit entspricht sie den Wünschen von Kunden, die auf der Suche nach etwas Besonderem sind.

„Was ist Luxus?“ lautet der Titel einer Ausstellung, die derzeit im Victoria & Albert Museum zu sehen ist. Diamanten? Ein Privatjet? Diese Fragen beantwortet der Zeitgeist. Beim westlichen Verbraucher deutet sich ein Umdenken an. Er überlegt sich, was ihn auf die Dauer positiv stimmt und glücklich macht. Mehr als um Designermarken geht es dabei um immaterielle Güter wie Zeit, Frieden und Gesundheit. So liegt auch Handwerkskunst heute klar im Trend. „Die Leute sind auf der Suche nach hochwertigen, gekonnt traditionell gefertigten Produkten", so Mark Henderson, Geschäftsführer des Maßateliers Gieves & Hawkes in der Savile Row und Mitbegründer des 2014 in Mayfair eröffneten Geschäfts The New Craftsmen. Letzteres dient Großbritanniens besten Kunsthandwerkern als Plattform und zielt darauf ab, diese einer anspruchsvollen internationalen Käuferschaft näherzubringen. Dazu ist Mayfair mit seinem hohen Lebensstandard genau der richtige Ort.

„In der Sahara ist eine Flasche Wasser Luxus. Was für ein subjektives und nahezu überflüssiges Wort“, sagt der Töpfer Matthew Warner, 26. Er meldete sich 2012 am Camberwell Arts College zu einem Keramikkurs an, ging anschließend bei dem bekannten zeitgenössischen Töpfer Julian Stair in die Lehre und arbeitet noch immer in dessen Atelier in East Dulwich. Nach einem Großauftrag von The New Craftsmen kaufte er sich eine eigene Töpferscheibe. „Es ging um ein Essservice für 114 Personen“, erklärt er. Für das Tongemisch, das er für seine einfachen, fließenden Formen verwendet, hat er seine ureigene Rezeptur – und die behält er für sich. „Es ist schwer, sich über Wasser zu halten“, gibt er zu. „Aber ich tue genau das, was mir gefällt, und ich kann fast davon leben. Sieht so aus, als hätte ich mir den richtigen Moment ausgesucht.“

Laut Matthew Warner belebt das neue Zentrum für Kunsthandwerk den Markt für Handgemachtes. „Und es ist auch höchste Zeit“, fügt die Designerin Lola Lely hinzu, die sich in Walthamstow, einer Londoner Vorstadt niedergelassen hat und mit Holz, Leder, Glas und Textilien arbeitet. Sie ist 35, in Hanoi geboren und lebt seit ihrem achten Lebensjahr in England. Lola wurde 2012 bekannt, als sie – für ihre Abschlussausstellung am Royal College of Art – ein funktionierendes, bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Restaurant mitsamt Speisekarte und Tischgeschirr entwarf. Seither gehen ihr die Aufträge nicht aus, ob es nun um eine Bronzeinstallation für eine Allen-Jones-Ausstellung oder eine Zusammenarbeit mit dem Londoner College of Fashion in Sachen Arbeitskleidung geht. Sie blickt optimistisch in die Zukunft. „Die Verbraucher werden immer verstehen, was gut und was nicht gut ist“, sagt Lely.

Mundgeblasenes Glas in zarten Farben. Michael Ruh sagt, die wichtigsten Elemente seiner Arbeit seien Feingefühl, Gefühl für Proportionen und intensive Konzentration. www.michaelruh.com

Vielleicht findet man deshalb heutzutage überall in London Kunsthandwerker, die gut zu tun haben. Begeistert erzählt der für seine Tische und Stühle aus nachhaltig erwirtschaftetem Holz bekannte Möbeldesigner Sebastian Cox in Woolwich von viel zu wenig genutzten Hölzern wie Kirsche aus britischen Wäldern. „Kirsche riecht gut, es gibt viel davon und sie ist gut getrocknet. Unsere schönen Gegenstände, die ein Leben lang halten, sollen die Welt ein wenig verändern“, sagt Sebastian Cox.

Dies ist auch das Motto von Silberschmiedin Ndidi Ekubia, deren Familie aus Nigeria stammt. In ihrem Atelier in Süd-London klopft sie ein Stück recyceltes Silber flach, bis es die typische Patina und die „rhythmische“ Form hat, die man von ihr kennt. „Von Kunsthandwerkern gefertigte Waren erwirbt man nicht als Investition“, betont sie. „Solche Objekte werden mit viel Liebe und großem Aufwand hergestellt, und das ist den Käufern viel wert.“

Perfekt proportionierte Tische und Stühle aus Altholz. Der Möbelmacher Sebastian Cox hofft, die Welt mit seinen schönen Objekten wenigstens ein bisschen verändern zu können. www.sebastiancox.co.uk

Für den in Saint Paul, Minnesota, geborenen Glasbläser Michael Ruh beginnt der Tag morgens um sechs. „Aber nur im Sommer“, betont er. Nachdem er in seiner Werkstatt in Tulse Hill bei Brixton eine Vase geblasen hat – was etwa 45 Minuten dauert –, schiebt er das Objekt in den Brennofen und wischt sich den Schweiß von der Nase. Über eine steile Treppe gelangt man in einen Raum, wo sein Computer steht, und auch ein langer Tisch, auf dem er ein von Calvin Klein bestelltes Essservice zusammengestellt hat, sowie Lampen, die er für Conrans Geschäft hergestellt hat. „Ich mag die Vorstellung, etwas von außergewöhnlicher Schönheit als Alltagsgegenstand zu benutzen“, sagt Michael Ruh. „Und meiner Meinung nach ist die Welt so künstlich, dass es wichtig für die Gesundheit ist, Dinge mit unseren Händen zu formen.“

Exquisite Keramikstücke in vollendet einfachen Formen. Der Töpfer Matthew Warner ist von der tausend Jahre alten Tradition der Porzellanherstellung fasziniert. www.matthewwarner.co.uk

Michael Ruh ist überzeugt, dass die Menschen des gedankenlosen Konsumierens überdrüssig sind und nach etwas suchen, das sie auch geistig bereichert. „Sie wollen etwas, das eine Seite zum Ausdruck bringt, die sie in sich selbst sehen wollen“, sagt er.

Die Botschaft liegt auf der Hand: Industrielle Massenproduktion ist nützlich und oftmals erforderlich, doch ehrliches handwerkliches Können berührt die Seele. Und das ist echter Luxus.

Text: Josephine Grever

Fotos: John Spinks

www.thenewcraftsmen.com

Holz, Leder, Glas und Textilien sind Materialien, mit denen sich gut experimentieren lässt. Bei Gegenständen aus Massenproduktion vermisst Lola Lely die Dellen und Beulen – die kleinen Unregelmäßigkeiten. www.lolalely.com

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